Wie Alltagsgegenstände gerade den Markt umkrempeln

Ständig in Verbindung - Internet of Things

21.03.2017

Aktuellen Schätzungen zufolge wird es im Jahr 2020 voraussichtlich 26 Milliarden Geräte geben, die mit dem Internet verbunden sind und das ohne Computer, Tablets und Smartphones mit einzurechnen. Das „Internet of Things“ (dt. Internet der Dinge) oder kurz IoT ist eine unaufhaltsame Welle, die in immer mehr Haushalte schwappt und alle erdenklichen Gegenstände umspült.

Sei es der bekannte Smart-TV, der die Lieblingsserie automatisch aufnimmt, der Kühlschrank, der neuerdings die Einkaufsliste führt oder die Jeans, die ihrem Besitzer einen „Wasch mich!“-Tweet hinterlässt, alle hängen sie am Internet.

Der immer häufiger vorkommende Begriff IoT wurde erstmals 1999 von Kevin Ashton verwendet. Die damals noch als fiktive Vorstellung sich selbständig vernetzender und miteinander interagierender Gegenstände (engl. things) zeigt mit dem Ankommen in der Realität immer mehr damit einhergehende Schwierigkeiten auf. Diese sind allerdings weniger technischer Natur, als vielmehr die Bedenken der Nutzer mit dem zunehmenden Bewusstsein zum Thema Datenschutz.

Zwar werden nicht nur Unternehmen, sondern auch den Verbrauchern das Leben mit der zunehmenden Automatisierung erleichtert, jedoch sind die wachsenden Bedenken bezüglich des immer größeren Eingriffs in die Privatsphären der Bürger durchaus berechtigt.

 

Personalisierung ohne Grenzen

Die durch IoT gesammelten Datenmassen erlauben es Marken zukünftig, einen noch nie da gewesenen Grad der Personalisierung zu erreichen. Alleine bei der Werbung wird durch das unglaublich detailgenaue Tracken des Nutzerverhaltens ein ganz neues Maß an Relevanz und Personalisierung erreicht.

So wird es Werbetreibenden bald möglich sein, Werbeanzeigen nicht nur thematisch, sondern sogar abhängig von Tageszeiten und Aufenthaltsort exakt auf den individuellen Nutzer anzupassen und Bedarf vorherzusehen, noch bevor der Kunde selbst davon weiß.

Durch ein solches Level des Predictive Marketing lassen sich nicht nur Conversions steigern und Streuverluste verringern, auch der Kunde fühlt sich weniger durch unpassende Werbung belästigt. Zusätzlich lässt sich durch den kontinuierlichen Datenstrom auch im Customer Relationship Management (CRM) ein viel intimeres Verhältnis zum Nutzer aufbauen, was zu einer erheblich stärkeren Kundenbindung führt.

Zusätzlich erhöhen die sich permanent untereinander austauschenden Geräte die möglichen Touchpoints exponentiell. Das führt zu einer um ein Vielfaches genaueren Messbarkeit von Kaufentscheidungen.

So lassen sich nicht nur genaue Rückschlüsse über die verschiedenen Einflussfaktoren des Nutzer- und Kaufverhaltens treffen, sogar Änderungen in der Stimmung der Nutzer lässt sich so auswerten. Auch relativ genaue Angaben über die aktuelle Lebenssituation oder gar den Gesundheitszustand der einzelnen Nutzer können dadurch getroffen werden.

 

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis entsprechende Algorithmen entwickelt werden, die mit diesen Informationen genau umzugehen wissen. Theoretisch lassen sich diese Daten nämlich auch nutzen, um ein bisher ungeahntes Level an Manipulation auf die Verbraucher auszuüben. Dabei liegt es in der Verantwortung der Unternehmen, diese Möglichkeiten nicht schamlos auszunutzen, was von Verbraucherschützern zukünftig bestimmt noch weiter thematisiert werden wird.

Die Gratwanderung besteht allerdings darin, den Kunden nicht das Gefühl zu geben ausspioniert oder bevormundet zu werden. Dass es sich dabei um eine subjektive, also von Mensch zu Mensch unterschiedlich wahrgenommene Grenze handelt, macht die Sache nicht einfacher.

Zudem gibt es nicht nur regionale Unterschiede im Datenschutzbedürfnis der Bürger, auch in Zukunft wird sich durch das wachsende Bewusstsein für die Thematik die generelle Stimmung in dieser Beziehung bestimmt noch verändern. Eine international einheitliche Datenschutzregelung könnte hier bestimmt helfen aber die Mühlen der Politik mahlen bekanntlich langsam. Vor allem wenn es um länderübergreifende Vereinbarungen geht.

 

Chucky is real!

Erst jüngst wurde die „intelligente“ Spielzeugpuppe My Friend Cayla, die über Mikrofon und Spracherkennung mit Kindern interagiert, zuerst stark kritisiert und später sogar von der Bundesnetzagentur als „Spionagegerät“ eingestuft und in Deutschland verboten. Zurecht, denn jeder Zehnjährige mit technischem Grundverständnis konnte sich über die ungesicherte Bluetoothverbindung einklinken und mithören oder gar die Puppe selbst sprechen lassen.

Mit mehr und mehr Geräten, die sich automatisch mit dem Internet verbinden, entstehen zahlreiche neue Sicherheitsrisiken, die es Hackern teilweise unheimlich einfach machen Schindluder zu treiben. Erst im Oktober 2016 wurden mit einer DDoS Attacke auf einen Schlag zahlreiche Websites, wie Amazon, Twitter und Reddit lahmgelegt – wie sich später herausstellte über Schwachpunkte von mehr als 2 Mio. Geräten.

Die oft nur schlecht geschützten Alltagsgegenstände des IoT stellen so in der Masse nicht nur für den einzelnen Verbraucher ein Risiko dar, sondern können offensichtlich auch ganze Infrastrukturen in Gefahr bringen.

Unternehmen stehen somit vor der verantwortungsvollen Aufgabe, nicht nur die sensiblen Nutzerdaten ihrer Kunden zu schützen, sondern auch die nötige Sicherheit vor Hackerangriffen zu gewährleisten.

 

Klasse statt Masse

Dass die NSA massenhaft Daten hortet, ist unlängst bekannt. Doch auch die amerikanische Sicherheitsbehörde mit ihrem Milliardenbudget hat größte Schwierigkeiten, diesen unüberschaubaren und immer rasanter wachsenden Datenmengen Herr zu werden. Das Internet der Dinge macht diese Sache nicht einfacher.

Unternehmen sammeln zwar zahlreiche und ungeheuer detaillierte Daten über das Nutzerverhalten ihrer Kunden, doch auch sie können derzeit diese Masse an Daten nicht ganz ohne Weiteres sinnvoll nutzen. Denn Big Data ist nicht gleichbedeutend mit Smart Data und bereitet zahlreichen IT Abteilungen aktuell Kopfzerbrechen.

Unternehmen müssen beweisen, dass sie durch die gesammelten Daten ihren Kunden auch einen echten Mehrwert bieten können. Denn wenn Nutzer schon ihre intimsten Geheimnisse mit der Industrie teilen und auf „Vertrauensbasis“ damit in Vorleistung treten, wollen sie dafür auch eine Gegenleistung erhalten.

 

Fazit

Das Internet der Dinge ist eine unglaublich spannende Entwicklung, die innerhalb weniger Jahre den Markt komplett umwälzen wird. Auch ist es nur eine Frage der Zeit, bis Unternehmen die technischen Möglichkeiten haben werden, die entstehende zusätzliche Masse an Daten mit intelligenten Algorithmen effizient zu nutzen und das Thema Personalisierung auf ein ganz neues Level bringen werden.

Das Thema Sicherheit wird ebenfalls noch weiter vorangetrieben werden, um zu versuchen das Risiko der zusätzlichen Angriffsstellen in Zaum zu halten. Schließlich liegt es im Interesse der Unternehmen, keine Kunden durch Datenleaks zu verlieren und das Vertrauen aufrecht zu erhalten. Es stellt sich nur die Frage, ob bei diesem Prozess die Privatsphäre der Nutzer am Ende nicht auf der Strecke bleiben wird.

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